„Soziale Kooperation macht Sinn“ …

… lautet das Motto der UPJ-Bundesinitiative und dieser Servicestelle. „Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart können nicht mehr mit den einseitigen Rezepten der Vergangenheit gemeistert werden. Wir brauchen neue, grenzüberschreitende Konzepte des sozialen Handelns im freiwilligen Zusammenspiel von Unternehmen, öffentlicher Hand und gemeinnützigen Organisationen. … Nur so können wir die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft sichern. Wir verstehen Corporate Citizenship, das bürgerschaftliche Engagement von Unternehmen in diesem Sinne als aktiv zu gestaltendes Element einer Mut machenden gesellschaftlichen Perspektive.“ (Aus dem „Frankfurter Aufruf zur Gründung des von UPJ initiierten Netzwerkes „Unternehmen: Aktiv im Gemeinwesen“).

Neue Balance der Verantwortung

Von den gesellschaftlichen Akteuren aus Unternehmen, öffentlicher Hand und gemeinnützigen Organisationen werden an immer mehr Stellen sektorenübergreifende Kooperationen erprobt. Dabei ändern sich bei allen Beteiligten Einstellungen und Handlungsweisen. Es entsteht eine neue Balance der Verantwortung für die Lösung gesellschaftlicher Problemlösung und die Gestaltung des Gemeinwesens. Die Servicestelle Soziale Kooperation systematisiert diese Erfahrungen und erkundet gemeinsam mit Trägern der Kinder- und Jugendhilfe und der Sozialen Arbeit Wege, in der Kooperation mit Unternehmen die eigenen Abläufe, die Angebote für die Zielgruppen und das gesellschaftliche Umfeld zu verbessern und stellt dafür übertragbare Konzepte, profilierten Beispiele, praxisnahe Handreichungen, Erfahrungsaustausch und Qualifizierungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Kompetenzen und Ressourcen von Unternehmen mit den professionellen Angeboten der Sozialen Arbeit verbinden

Die professionellen Angebote und Leistungen von Trägern der Kinder- und Jugendhilfe, der Familienförderung, der Gemeinwesenarbeit und der Sozialen Arbeit stärker mit bürgerschaftlichen Arrangements und Ressourcen zu verbinden, ist ein Weg, um dieses Soziale Kapital zu erhöhen und produktiver für Bildung und gesellschaftliche Teilhabe der Adressaten zu nutzen. In der Umsetzung geht es dabei darum, professionelle Angebote und Leistungen durch mehrdimensionale und bereichs- bzw. gruppenübergreifende soziale Beziehungen und Netzwerke im Umfeld anzureichern und die Adressaten darin einzubinden.

Unternehmen können bei einer solchen Ergänzung und Erweiterung der Angebote und Leistungen der Träger eine besondere Rolle spielen: Zum einen mit den personellen Ressourcen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in informellen Bildungs-, Lern- und Unterstützungsarrangements für die Adressaten. Zum zweiten mit den ganz spezifischen betrieblichen Kompetenzen von Unternehmen (bspw. dem Fach- und Erfahrungswissen in allen Bereichen der Unternehmensentwicklung), die als Ressourcen für die Organisations- und Qualitätsentwicklung der Träger selbst nutzbar gemacht werden können. Und zum dritten im Hinblick auf die Zugänge zu neuen Beziehungen und Netzwerken im Umfeld, die dabei entstehen können. Das in dieser Verknüpfung von professionellen Leistungen mit Kompetenzen und Ressourcen engagierter Unternehmen liegende Potential für ein sinnvolles „Mehr“ an Leistung für Kinder, Jugendliche und Familien sowie für ein Mehr an Qualität und Wirksamkeit der Leistung ist bisher noch nicht systematisch erschlossen und für die Praxis nutzbar gemacht worden.

Mit Unternehmen kooperieren bringt Gewinn - Für Träger, Adressaten und das Gemeinwesen

Das Projekt schließt an die relevanten Diskurse in diesem Umfeld um Qualitätsentwicklung, informelles Lernen und Soziales Kapital an. Nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen und Erfahrungen mit den unterschiedlichen Formen des Kompetenz- und Ressourcentransfers von Unternehmen können damit für die Kinder- und Jugendhilfe und die Soziale Arbeit auf der organisatorischen Ebene, auf der Ebene der face-to-face-Beziehung und auf der Ebene der Gemeinwesenentwicklung folgende Nutzen- und Wirkungsdimensionen erschlossen werden:

  • Für die Träger: Unternehmen verfügen über ganz spezifische unternehmerische Kompetenzen bspw. im Rechnungswesen, Controlling, Personalführung, Berichtswesen, Marketing, EDV, Kommunikation oder über spezielle Fachkompetenzen wie z.B. Steuerberater, Rechtsanwälte, Grafikbüros, Architekten, die als Ressourcen für die Entwicklung der Träger von Bedeutung sind und, systematisch erschlossen, zur Qualitätsentwicklung beitragen
  • Für die Adressaten: In Projekten, die - wie bspw. in Mentoringprojekten oder bei einem dreitägigen ehrenamtlichen Arbeitseinsatz von Führungskräften in einem benachteiligten Stadtteil - eine direkte face-to-face-Beziehung von Unternehmensmitarbeitern und Adressaten herstellen, wird Lernen in und an anderen Lebenswelten außerhalb formalisierter Bildungsinstitutionen und -kontexte gefördert. So können bspw. Fachkompetenz, Sozialkompetenz, interkulturelle Kompetenz, Selbstkompetenz, und damit die allgemeine Handlungskompetenz der Adressaten gestärkt, der "Möglichkeitsraum" dessen, was Jugendliche für sich erreichen wollen, erweitert und neue Lernmotivationen geweckt werden. Daneben können Unternehmen z.B. bei Praktika, Unterrichtsprojekten oder beim Sozialen Tag auch selbst Orte formellen und informellen Lernens sein, was für Kinder und Jugendliche ebenfalls Zugänge zu neuen persönlichen Beziehungen und sozialen Netzwerken im Umfeld eröffnen kann.
  • Für das Gemeinwesen: Wenn einen Vielzahl solcher Beziehungen zwischen Trägern und Unternehmen in einer Region gezielt aufgebaut werden, können für die Träger und ihre Adressaten neue Beziehungen zu wichtigen Akteuren und Zugänge zu Netzwerken im Umfeld entstehen, die sie für ihre Adressaten aktivieren und damit neue Zugänge gesellschaftlicher Teilhabe eröffnen können.






Die Servicestelle Soziale Kooperation
wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.